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Konzeption
"Kampagne Erziehung" - ein neues Konzept zur
Förderung der Erziehung in der Familie
1. Das Problem
Die Erziehung ist ins Gerede gekommen: Behaupten die einen,
sie sei in der Krise, und belegen dies mit vielen plausiblen
Argumenten, gibt es andere, die gar ein Ende der Erziehung
(Neil Postman) feststellen wollen. Viele fragen sich, ob erzieherische
Leistungen von Eltern angesichts der massiven Medieneinwirkungen,
denen Kinder sich tagtäglich aussetzen (müssen),
überhaupt noch machbar sind. Haben diese dann Wirkungen,
die ein Leben lang halten? Ist der "Mut zur Erziehung"
der Ausweg aus diesem Dilemma? Welche Werte soll Erziehung
heute vermitteln? Sind Kinder so verplant, dass kindliches
Spiel zumindest in der dicht bebauten Großstadt heute
nicht mehr möglich ist? Ist damit der Kindheitsbegriff
der Moderne obsolet und/oder werden Kinder (wieder) zu kleinen
Erwachsenen? Oder ist eine bestimmte pädagogische Grundrichtung
gescheitert, die Kinder nur als Objekt sah? Ist es mit der
Verteufelung der Medien getan? Oder wird hier eher ein Defizit
der (professionellen) Erzieher sichtbar? Sind Wege aus der
Krise markiert? Gibt es darüber einen Konsens in der
Gesellschaft?
Viele offene Fragen. Um diese Fragen wird in der interessierten
Öffentlichkeit gestritten, wissenschaftliche oder politische
Streitfragen werden darüber ausgetragen. Diese Fragen
markieren aber auch die Spannbreite, in der sich die heute
Erziehenden bewegen. Und deshalb sind diese Fragen auch Fragen,
die das pädagogische Amt, das Jugendamt, angehen. Diese
Grundfragen weisen auf eine wichtige Aufgabenstellung, die
mit dem hier vorgelegten Konzept einer "Kampagne Erziehung"
zur Förderung der Erziehung in der Familie verfolgt werden
soll. |
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2. Familien brauchen Unterstützung
Erziehung heute ist schwierig geworden. Darin sind sich
fast alle einig. Die Erziehungswirklichkeit ist unübersichtlich.
Zwar gibt es ein ausdifferenziertes Hilfe- und Beratungssystem
der sozialen Dienste und ein breit gefächertes Informationsangebot
der Erziehungs- und Familienbildung. Es sind aber Zugangsbarrieren
festzustellen, um sich dieser klassischen Angebote bedienen
zu können. Zudem zeigt die Analyse dieser Angebote der
Familienbildung deren geschlechts- und schichtspezifische
Ausrichtung und ihre Beschränkung auf spezielle medizinische
oder pflegerische Elemente (Vgl. 7. Jugendbericht, Jugendhilfe
und Familie, Bonn 1986).
Ebenso gibt es eine schier unübersichtliche Fülle
von Erziehungsratgebern und Eltern- und Erziehungszeitschriften
auf dem Markt. Dieses Angebot wird aber nicht von allen genutzt,
auch hier hat die Informationselite einen Vorsprung. Niemals
wurden aber vermutlich mehr Anforderungen an die Erziehenden
gestellt. Viele Mütter, Väter, Alleinerziehende
oder Elternpaare fühlen sich orientierungslos und verfügen
nicht über die Ressourcen, um sich Rat und Hilfe in allgemeinen
Erziehungsfragen zu holen. Wer kann helfen, wer ist zuständig? |
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3. Jugendhilfe und die Förderung
der Erziehung in der Familie
"Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten
und jungen Menschen sollen Leistungen der allgemeinen Förderung
der Erziehung in der Familie angeboten werden. Sie sollen
dazu beitragen, dass Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte
ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen können."
Dieser unmissverständliche Satz ist der Absatz 1 des
§ 16 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG). Er beinhaltet
einen klaren Arbeitsauftrag, hat konkrete Adressaten, setzt
voraus, dass Erziehung erforderlich ist und positiv wirkt.
Damit ist auch ausgesagt, dass viele Erziehungsberechtigte,
aus welchen Gründen auch immer, eine Unterstützung
in Fragen der Erziehung wollen und auch brauchen. Dies kennzeichnet
die pädagogische Realität nach Einschätzung
vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Jugendarbeit,
Schule, Kindertagesstätten. Und auch die Erwartungshaltungen
von Eltern an pädagogische Institutionen gehen immer
wieder in diese Richtung, ohne dass diese Erwartungen immer
erfüllt werden können.
Es ist Aufgabe der Jugendhilfe, sich diesen Erwartungen der
Erziehenden zu stellen und sie als Handlungsauftrag zu verstehen.
Der Gesetzgeber hat im § 1 Absatz 1 des KJHG festgelegt:
"Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung
seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen
und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit." Die
Jugendhilfe soll zur Verwirklichung dieses Rechts insbesondere
"Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung
beraten und unterstützen" (§1 Absatz 3 Satz
2). Dieser allgemeine Handlungsauftrag wird durch die klassischen
Leistungen der Jugendhilfe, die Hilfen zur Erziehung (§§
27 ff KJHG), nur unzureichend bzw. überhaupt nicht abgedeckt.
Der Gesetzgeber schreibt diese Aufgabe auch mit dem eigenen
§ 16 in einem von den Hilfen zur Erziehung getrennten
Abschnitt (vgl. § 2 KJHG) fest. Die Bereitstellung von
in der Regel reaktiven Jugendhilfeleistungen, wie etwa Erziehungsberatung,
soziale Gruppenarbeit, Erziehungsbeistand, Sozialpädagogische
Familienhilfe, Erziehung in einer Tagesgruppe, Vollzeitpflege,
Heimerziehung und andere betreute Wohnformen, intensive sozialpädagogische
Einzelbetreuung erfüllt nicht die vom Gesetzgeber gewollte
Förderung der Erziehung in der Familie. Der Auftrag des
Gesetzgebers zielt vielmehr auf eine eigenständige Aufgabe
in der Jugendhilfe. |
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4. Bestand an Hilfen zur Förderung
der Erziehung in der Familie in Nürnberg
Im Laufe der zurückliegenden Jahre haben sich in Nürnberg
eine ganze Reihe an Vereinen, Selbsthilfegruppen und Angeboten
von Wohlfahrtsverbänden entwickelt, die sich mit Informationsangeboten
über Erziehungsfragen und zum Teil auch mit konkreten
Hilfen bei der Erziehung an Eltern im Stadtgebiet oder in
Stadtteilen befassen und mehr oder weniger stark durch Zuschüsse
der Stadt und zum Teil des Landes und des Bundes finanziert
werden.
a) Da sind die eher klassischen Informations- und Wissensvermittler
über Erziehungsfragen insbesondere in Form von zeitlich
begrenzten Bildungsseminaren wie insbesondere
- die Evangelische und Katholische Familienbildungsstätte
- das Zentrum Kobergerstraße 79 und pro familia
- das Bildungszentrum der Stadt; Fachbereiche Pädagogik
und Mensch und Natur
- einzelne Kulturläden mit Einzelveranstaltungen oder
Reihen.
b) Daneben treten Träger auf, die sich für offene
Einzelfallberatung und Gespräche in Erziehungsfragen anbieten,
aber auch Kurse in Seminarform durchführen wie
- die städtischen, die Evang.-Lutherische und Caritas-Erziehungsberatungsstelle(n)
e.V.
- das Internationale Frauen- und Mädchenzentrum e.V.
- das Mütterzentrum e.V.
- der Kinderschutzbund e.V.
c) Als dritte Form der Vermittlung von Information und Rat
in alltäglichen Erziehungsfragen sind in Nürnberg
Träger aktiv, die beratend und ggf. konkret einwirkend
offensiv in die Familien selbst gehen, wie
- der Allgemeiner Sozialdienst (Bezirkssozialarbeit) der
Stadt Nürnberg
- der Mobile Heilpädagogische Dienst des Jugendamtes
- die Arbeiterwohlfahrt mit insbesondere den als Modell
von Bund und Land sowie Stadt geförderten Projekten
Hippy und Opstapje
Frühförderprogramm Hippy = Home Instruction Program
for Preschol youngsters; eine Form familienbezogener Bildung
mit Elementen der Eltern- und Familienarbeit; Mütter
mit Vorschulkindern - hier: zugewanderte Aussiedler- und
Ausländerfamilien - werden von sog. Hausbesucherinnen
aus der gleichen Herkunftsgruppe zu Hause begleitet, mit
kleinen täglichen Lernprogrammen und zusätzlichen
Gruppentreffen;
Frühförderprogramm Opstapje = Schrittchen nach
oben; Spiel- und Lernprogramm für 2-4jährige sozial
benachteiligte Kinder mit Hausbesuchen von "Hausbesucherinnen"
(Mütter), die mit dem Kind und der Mutter z.B. gemeinsam
spielen (zusätzlich Gruppentreffen) mit dem Ziel, z.B.
die Interaktion von Müttern und Kindern zu stabilisieren.
- Es gibt noch weitere Träger und Einrichtungen, die
jederzeit offen und niederschwellig für die Erörterung
von Erziehungsfragen von Eltern prädestiniert sind
und im Einzelfall zur Verfügung stehen, insbesondere
alle Kindergärten und Horte, bei denen die Elternarbeit
ein wichtiger Programmpunkt der täglichen Aufgaben
ist. Diese Palette unterschiedlicher Träger und Angebote
an Eltern zur Unterstützung und Orientierung in alltäglichen
Fragen der Erziehung ist unplanmäßig und ohne
gestalterischen Zusammenhang je nach Haushaltslage und Prioritätensetzung
einzelner Träger, Selbsthilfegruppen und Finanziers
gewachsen; eine Koordination und Absprache einzelner Anbieter
findet kaum statt oder wird mit Hilfe der Verwaltung derzeit
erörtert und aufgebaut (bei den Erziehungsberatungsstellen).
Über die Einzelinteressen hinausführende Vernetzung
aller Träger mit dem Ziel der Ressourcenbündelung
zur Abstimmung und Weiterentwicklung in neue Arbeitsfelder
hinein, wurde bisher nicht versucht. Jeder Träger bietet
das an, was seinen bzw. der Mitarbeiterschaft Interessen
entspricht.
Insofern ist die Feststellung nicht falsch, dass es keinen
institutionalisierten Kern in der Jugendhilfe in Nürnberg
gibt, von dem aus "Angebote der Beratung in allgemeinen
Fragen der Erziehung und Entwicklung junger Menschen"
koordiniert und gebündelt werden. An wen wende ich mich,
wer bietet welches Handlungs- und Orientierungswissen für
Erziehende zu allgemeinen Fragen der Erziehung an, wenn noch
kein konkreter Grund besteht, wegen eines harten Problems
oder eines Konfliktes zum Jugendamt zu gehen? Wenn also aus
präventiven Gründen oder wegen eines Informationsbedürfnisses
Rat und Hilfe gesucht wird, wo kann diese Hilfe dann gefunden
werden, und zwar sehr niederschwellig, also jederzeit und
ohne organisatorischen Aufwand der Ratsuchenden?
Diese Lücke zu schließen ist eine unverzichtbare
Aufgabe der Jugendhilfe: die Bereitstellung, Koordination,
Abstimmung und Bekanntmachung von Angeboten, Diensten, Leistungen
im Rahmen des autonomen Handlungsansatzes der Träger.
Eine zweite Lücke im Angebot ergibt sich, Informationsmethoden
auszuweiten und zu intensivieren und moderne Beteiligungsformen
der Familienselbsthilfe und Öffentlichkeitsarbeit (Marketing)
zu mobilisieren. Das Jugendamt der Stadt Nürnberg schlägt
mit diesem Konzept vor, einen neuen Weg zu gehen und Ansätze
der Förderung der Erziehung in der Familie gemeinsam
weiterzuentwickeln. Das bisher nicht unbedingt im Mittelpunkt
stehende Handlungsfeld der Jugendämter soll damit modellhaft,
konzeptionell auf- und ggf. umgebaut und in der Praxis umgesetzt
werden. Eine wichtige inhaltliche Verschränkung ist insbesondere
auch mit anderen präventiven Aufgaben der Jugendhilfe
gegeben. Dieser neue Ansatz muss somit über alle Handlungsfelder
der Jugendhilfe im Sinne einer Querschnittsfunktion wirken.
Er braucht Elemente der Jugend- und Erwachsenenbildung, der
Erziehungs- und Jugendberatung, der Jugendarbeit und der Arbeit
mit Kindern ebenso wie Elemente der Familiengruppenarbeit,
Familienselbsthilfe der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit und
moderner Informations- und Marketingmethoden zur Vermittlung
von "Erziehungsbotschaften". |
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5. Wie sieht der neue Ansatz aus?
Ziel und Inhalt der Förderung der Erziehung in der Familie
und methodische Leitlinien
Ziel ist es, Familien bei der Ausübung ihrer erzieherischen
Verantwortung zu unterstützen, umfassende Hilfestellungen
an die Hand zu geben. Dies beinhaltet die Vermittlung und
Aktivierung von:
- Information und Aufklärung über Erziehungsfragen,
Erziehungsstile, Erziehungsmethoden
- Orientierungswissen, um sich in der Vielfalt der Informationsangebote
zurechtfinden zu können
- Basiswissen über Beratungs- und Hilfsangebote und
deren Nutzung
- Handlungswissen über die Lösung von kritischen
und problematischen Erziehungsfragen und deren konstruktive
Bewältigung.
Wer Unterstützung bei der Ausübung der Erziehung
geben will, wird gefragt werden, von welchen Prämissen
aus und mit welchen Zielsetzungen die angestrebte Erziehung
erfolgen soll. Dies kann nur stichpunktartig angedeutet
werden
- Kinder sind Subjekte, sie sollen und wollen auch so behandelt
werden! Kinder stellen Fragen, nicht weil sie nerven, sondern
die Welt erklärt bekommen wollen
- Konflikte in der Familie sollen konstruktiv angegangen
werden
- Die Kreativität aller Familienmitglieder kann genutzt
werden
- Probleme sollen gelöst werden statt verdrängt
oder über Umwegen oder Flucht in Gewalt und Sucht ertränkt
werden!
- Zur Unterstützung von Erziehenden gibt es vielfältige
Hilfsangebote: diese sollte man kennen und richtig nutzen
können
- Im täglichen Zusammenleben müssen die Bedürfnisse
aller berücksichtigt werden.
- Miteinander reden statt übereinander löst Spannungen
und Konflikte.
- Die Angebote und Träger sollten vernetzt sein und
sich offensiv mit angemessener Methodenvielfalt mehr in
die Öffentlichkeit bewegen, dort ständig präsent
sein. Beispielhaft könnten als Ansätze der gemeinsamen
Weiterentwicklung in Nürnberg genannt werden:
- Systematische, praktische Umsetzung der wichtigsten Ergebnisse
der Bonner Tagung des Deutschen Jugendinstituts e.V. 1998
zur Familienselbsthilfe und anderer innovativer Entwicklungen
in der Wissenschaft.
- Sammlung und konkrete Umsetzung verschiedenster Arbeitsmethoden
mit aktiven Bürgern in Städten des In- und Auslands.
- Einbindung von Informationsmitteln wie Elternbriefe und
Kassetten und Bilderbücher in Deutsch und ausländischen
Sprachen, Plakaten und graphischen Wettbewerber in umfassenden
Kampagnen für einzelne Zielgruppen und für die
Allgemeinheit. Ein besonderes Augenmerk müsste in der
Entwicklung von präventiven Krisen-, Konfliktlösungs-
und Problembewältigungskompetenzen der Erziehenden
liegen. Es ist heute in der Drogen- bzw. Suchtprävention
gesicherte Erkenntnis (vgl. Expertise zur Primärprävention
des Substanzmissbrauchs), dass präventive Bemühungen
langfristig angelegt sein und möglichst frühzeitig
im Kindesalter beginnen müssen und dass es weniger
auf die Vermittlung von suchtmittelspezifischen Informationen
als auf die Stärkung der Persönlichkeit und der
Fähigkeit der Konflikt- und Problemlösung ankommt.
Suchtprävention ist deshalb allgemeine Prävention.
Jede Präventionsarbeit ist damit zu weiten Teilen inhaltsgleich
mit der Förderung der Erziehung in der Familie. Gelingt
es, exemplarische Konflikt- und Problemlösungsmuster
zu vermitteln, dann ist die begründete Prognose erlaubt,
werden auch weniger abweichende Problemmuster durch die
Flucht in die Sucht und andere destruktive Wege gegangen
werden. Der Auftrag aus dem vorn zitierten § 16 KJHG
richtet sich an die Familien, vorwiegend an die Zielgruppe
Eltern und Erwachsene. Für sie hat die Jugendhilfe
adressatenorientierte Konzepte zu entwickeln, damit die
entsprechenden Dienstleistungen und Produkte vorhanden sind
und abgerufen werden können. Mit der Zielformulierung
der Konflikt- und Problemlösungskompetenz soll allerdings
keineswegs die materielle und soziale Lage der Familien
negiert werden, die bei Benachteiligung zu negativen Entwicklungen
führen kann. Der Gesetzgeber hatte keinen diskriminierenden
Familienbegriff zugrundegelegt, als er die Jugendhilfe verpflichtete,
"Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten
und jungen Menschen ... Leistungen der allgemeinen Förderung
der Erziehung in der Familie (anzubieten)." Die empirisch
höchst unterschiedlichen familialen Konstellationen
sind somit berücksichtigt. Die Ausgestaltung der Förderungs-,
Unterstützungs- und Beratungsleistungen ist deshalb
auf diese Offenheit auszurichten. Die Realisierung unterschiedlicher
Erziehungsvorstellungen ist auf der Basis der Generalklausel
der "Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen
Persönlichkeit" (§1 Absatz 1) möglich.
Der Arbeitsauftrag soll anhand der folgenden Leitlinien
realisiert werden: · Erziehende und Familien benötigen
Unterstützung bei der Erfüllung ihrer Erziehungsfunktion.
· Hierzu sind effektive Angebote der Jugendhilfe
erforderlich.
- Diese Angebote müssen kontinuierlich gemacht werden
und leicht zugänglich sein; unterschiedliche soziale
Lagen und familiäre Konstellationen sind dabei zu berücksichtigen.
· Die eigenständige Aufgabe muss verzahnt werden
mit allgemeinen Angeboten der Jugendhilfe und weiteren pädagogischen
Beratungs- , Familienbildungs- und Erziehungsangeboten.
· Eine Vielfalt von Methoden und Formen ist angestrebt;
Austausch und Kommunikation sind erwünschte Projektziele.
· Ein zentraler Aspekt soll insbesondere auf den
Aufbau und die Entwicklung von Verbundstrukturen unterschiedlicher
dezentraler, stadtteilorientierter, auch selbsthilfe-basierter
Projekte untereinander und die Verschränkung mit unterstützenden,
begleitenden, helfenden zentral organisierten Ansätzen
und Projekten gelegt werden. Die Reform der sozialen Dienste
in Nürnberg mit regionalisierten Basiseinheiten im
Handlungsfeld der Hilfen zur Erziehung und vorangehend der
Förderung der Erziehung in der Familie leistet hierzu
sehr gute Voraussetzungen. · Neben sozialpädagogischen
Arbeitsansätzen muss verstärkt ein massen- und
personalkommunikativer Arbeitsansatz eingesetzt werden,
um den heutigen Wahrnehmungs- und Mediengewohnheiten gerecht
werden zu können. · Die massen- und personalkommunikative
Ebene erfordert Ansätze des Sozialmarketings. Voraussetzung
ist eine genaue Zielgruppenanalyse und eine klare Zielbestimmung
mit operationalisierbaren Zielebenen. · Parallel
muss ein strategisches Kommunikationskonzept entwickelt
werden. · Der neue Arbeitsansatz braucht als innovative
Strategie Methoden des Projektmanagements und soll in Form
eines Projektes organisiert werden. Das Projekt muss die
einzelnen Handlungsfelder der Jugendhilfe übergreifend
abdecken. · Für die Realisierung des Projektes
bedarf es eines Rückgriffs auf externe Ressourcen (Sozialmarketing,
Kommunikation, Graphik, Organisation, Informationsmanagement,
Medienerstellung). · Das Jugendamt hat als Motor
und Projektträger überwiegend strategische Aufgaben
der Planung und des Projektmanagements wahrzunehmen: Es
gilt der Grundsatz: organisieren statt selbst durchführen.
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6. Zielgruppen der Förderung
der Erziehung in der Familie
Zielgruppen sind die Adressaten, die der Gesetzgeber direkt
benennt und die in einem direkten pädagogischen oder
einem institutionell verbundenen Zusammenhang mit diesen Adressaten
stehen.
Übersicht: Zielgruppen der Förderung der Erziehung
in der Familie
- Mütter
- Väter
- Eltern
- Alleinerziehende
- andere Erziehungsberechtigte
- junge Menschen, Kinder und Jugendliche
- Mitarbeiter/innen im Sinne von Multiplikatoren der Jugendhilfe,
der sozialen Dienste, der Erziehungsberatung, der Jugend-
und Familienbildung, der Gesundheitsförderung und der
Schule
- Fachöffentlichkeit.
Bezogen auf die engere Zielgruppe (Mütter, Väter,
Eltern, Alleinerziehende) bedeutet dies: es gibt in Nürnberg
49.196 Familienverbände mit Kindern unter 18 Jahren,
davon sind 26.953 mit 1 Kind unter 18 Jahren (dies sind 80859
Personen) 17.408 mit 2 Kindern unter 18 Jahren (dies sind
69.632 Personen) 3.866 mit 3 Kindern unter 18 Jahren (dies
sind 19.330 Personen) 969 mit 4 und mehr Kindern unter 18
Jahren (dies sind mind. 5.816 Personen). Somit sind diese
ca. 180.000 Personen in Nürnberg die Zielgruppengröße,
die im weitesten Sinne mit diesem Ansatz zu erreichen ist.
(Quelle: Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 1998;
Zahlenangaben vom 31.12.1997). Für diese Zielgruppen
sollen Kommunikationsangebote aufgebaut werden. Eine besondere
Überlegung besteht in der Nutzung moderner Kommunikationstechnologien,
die in Feldern der sozialen Arbeit noch immer wenig eingesetzt
werden. So kann die Verbindung zu vielen (sozial-)pädagogischen
Aufgabenfeldern, die strategische Vernetzung zu der ausdifferenzierten
pädagogischen Infrastruktur hergestellt werden. Die Kooperation
mit den Mitarbeiter/innen in den Institutionen wird eine Vervielfachung
der Leistungen bewirken können. Auf institutioneller
Ebene sollen deshalb die in folgender Übersicht aufgeführten
Kooperationspartner berücksichtigt werden. Eine Erweiterung
um weitere Träger ist erwünscht.
Kooperationspartner und mögliche Mitglieder eines Beirates
- Allgemeiner Sozialdienst der Stadt
- Evangelische und Katholische Familienbildungsstätten
- Mütterzentrum e.V.
- Kinderschutzbund e.V.
- Kinderhaus e.V.
- Orte für Kinder e.V
- Degrin e.V.
- Erziehungsberatungsstellen der freien Träger und
Stadt
- Internationales Frauen- und Mädchenzentrum e.V.
- Jugendberatung des Schlupfwinkel e.V.
- Jugendberatung des Kinder- und Jugendnotdienstes des
Jugendamtes
- Arbeiterwohlfahrt mit den Projekten Hippy und Opstapje
- Schwangerenberatungsstellen Kobergerstraße und
Pro Familia
- Staatliches Schulamt
- Schulreferat
- einzelne Schulen
- Kindertagesstätten Stadt und freie Träger
- Träger der Kinder- und Jugendarbeit
- Gesundheitsamt
- Wohlfahrtsverbände
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7. Organisationsform der Kampagne
- Die Kampagne wird als Projekt des Jugendamtes der Stadt
Nürnberg mit Methoden des Projektmanagements organisiert.
In einer übergreifenden Projektgruppe sollen alle Handlungsfelder
der Jugendhilfe und freien Träger beteiligt sein.
- Interne Maßnahmen (Informationsmanagement, Datenbanken,
Qualifizierung) bereiten die Durchführung des Projekts
vor.
- Ein eingängiger Projektname soll gefunden werden,
er soll für die kommunikative und einprägsame
Verbreitung sorgen. Aus dem Namen ergibt sich idealerweise
eine Assoziation zu einer Ziel- oder Zielgruppenaussage.
- Ein Vervielfachen des Ansatzes wird durch die Multiplikatorenarbeit
erreicht.
- Massen- und personalkommunikative Angebote sind integriert
in die Realisierung des Projekts.
- Fachtagungen und Veröffentlichungen unterstützen
die Projektziele bei einer breiteren Fachöffentlichkeit.
- Kernpunkt des Projektes ist die Erstellung von innovativen
Produkten, Dienstleistungen und Medien zur Förderung
der Erziehung in der Familie (erste Ideen: Rat- und Hilfe-Broschüre
mit Übersicht der Hilfs- und Beratungsangebote; Plakatkampagne;
Manual für Multiplikatoren; Standardseminare, Kompakthilfen
zu Themenschwerpunkten usw.)
- Projekte mit Kooperationspartnern sind wünschenswert
und notwendig.
- Eine effektive Medienarbeit soll die Inhalte, Ziele und
das Projekt selbst breit streuen.
Kontakt
Weitere
Informationen auf der Seite "Grundlagen"
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